Europas Silicon Valley? Cambridge sagt nein danke

Europas Silicon Valley? Cambridge sagt Nein Danke

Cambridge, England – Eine Stadt, die viele Kronen trägt: die am schnellsten wachsende Stadt Großbritanniens, der intensivste Forschungscluster der Welt und die Universität mit der höchsten Anzahl an Tech-Gründern. Gleichzeitig weist sie aber auch die zweithöchste Ungleichheit in Großbritannien und eine der niedrigsten Niederschlagsmengen aller britischen Städte auf. Das Spannungsfeld zwischen diesen Titeln ist zu einem zentralen Thema in den Bemühungen der Regierung geworden, Cambridge in „Europas Silicon Valley“ zu verwandeln. Wohnungsbauminister Michael Gove plant, bis 2040 mehr als 150.000 neue Wohnungen zu bauen, was die Größe der Stadt mehr als verdoppeln und die Zahl der von lokalen Planern für das Gebiet vorgesehenen Wohnungen verdreifachen würde.

Wachstum im Dürregebiet

Das größte Hindernis für die Wachstumspläne der Stadt ist der Wassermangel. Pläne für 9.000 Wohnungen und 300.000 Quadratmeter Forschungsfläche, darunter ein neues Krebskrankenhaus, verzögern sich, weil die Umweltbehörde Bedenken wegen der Wasserknappheit hat. Gleichzeitig muss das örtliche Wasserversorgungsunternehmen Cambridge Water seinen letzten Managementplan überarbeiten, um die überzogenen Ziele der Regierung zu berücksichtigen.
Die Stadt bezieht ihr Wasser aus unterirdischen Kalksteinquellen, doch die Flüsse und Bäche trocknen aus. Der Wasserstand des Flusses Cam lag in den letzten vier Sommern 10 Zentimeter unter dem Durchschnitt von 2013. „Es macht überhaupt keinen Sinn, mit uns über Expansion zu sprechen, wenn wir das Wasserproblem nicht lösen können“, sagte Jane Hutchins, Direktorin des Cambridge Science Park. Der Wissenschaftspark plant den Bau eines neuen Campus und Hutchins sagte: „Wir müssen in der Lage sein, das Wachstum schnell und rechtzeitig zu absorbieren, aber wir sind uns alle sehr bewusst, dass wir dies nicht auf Kosten der Umwelt tun können.

Eigenes Wachstum

Wendy Blythe, Vorsitzende der Federation of Cambridge Residents‘ Associations, argumentiert, dass Cambridge bereits genug gewachsen sei und die „Güter“ in weniger wohlhabende Teile des Landes fließen sollten. Kritiker von Goves Plan weisen darauf hin, dass der Minister für „gleichwertige Lebensbedingungen“ eine Politik vorschlägt, die das Gegenteil bewirken könnte. „In Cambridge wird viel getan, um ein ‚Silicon Valley‘ zu werden, und die normalen Einwohner zahlen dafür“, sagte Blythe.
Das sind die Probleme, mit denen Tabitha Goldstaub, Technologie-Unternehmerin und Geschäftsführerin von Innovate Cambridge, einer Gruppe, die von der Universität und Investoren gegründet wurde, um eine nachhaltigere Innovationsstrategie zu entwickeln, kämpft. „Wir wollen so erfolgreich sein wie das Silicon Valley, aber wir wollen keine soziale Ungleichheit“, sagte sie. Das Einkommensgefälle in Cambridge, gemessen an der Kluft zwischen den ärmsten und den reichsten Einwohnern, ist nach Oxford das zweitgrößte in England und Wales, und es nimmt weiter zu.
Aber Goldstaub sagte, die Stadt habe die Herausforderung erkannt und die Unterstützung der lokalen Bevölkerung sei ein zentraler Pfeiler einer Innovationsstrategie, die auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort eingehe.

Die Wasserkrise und die Zukunft der Stadt Cambridge

Die Wasserkrise stellt eine ernsthafte Bedrohung für die Wachstumspläne von Cambridge dar. Während die Regierung Maßnahmen ergreift, um die Nachfrage nach Wasser in neuen Entwicklungsgebieten zu kontrollieren, befürchten Umweltschützer, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen, um das Problem zu lösen. Die Stadt und ihre Einwohner benötigen eine nachhaltige Wasserversorgung, um das Wachstum zu unterstützen, ohne die Umwelt zu belasten.
Die Lösung des Problems der Wasserknappheit erfordert innovative Ansätze. Ein Vorschlag ist, Regenwasser zu sammeln und zu speichern, um es in Trockenzeiten zu nutzen. Eine andere Idee ist die Entsalzung von Meerwasser, um eine zusätzliche Wasserquelle zu schaffen. Es gibt bereits Projekte, die diese Ideen erforschen und testen, aber sie erfordern noch Investitionen und technologische Entwicklungen, um sie zu einer nachhaltigen Lösung für Cambridge zu machen.
Eine weitere Herausforderung für Cambridge ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Mit dem Wachstum der Stadt steigen die Immobilienpreise rapide an, was es für viele Einwohner schwierig macht, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Regierung muss Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass das Wachstum von Cambridge allen Einwohnern der Stadt zugute kommt und nicht nur einer wohlhabenden Elite.
Trotz dieser Herausforderungen gibt es nach wie vor Optimismus und Enthusiasmus für die Zukunft von Cambridge als „Europas Silicon Valley“. Die Stadt verfügt über eine beeindruckende Technologie- und Innovationslandschaft, die von renommierten Universitäten und Forschungseinrichtungen getragen wird. Es gibt eine blühende Start-up-Szene und eine starke Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.
Um das Potenzial von Cambridge als Technologiezentrum voll auszuschöpfen, müssen die Herausforderungen Wasserknappheit und bezahlbarer Wohnraum angegangen werden. Regierung, lokale Behörden, Unternehmen und die Gemeinschaft müssen zusammenarbeiten, um nachhaltige Lösungen zu finden und sicherzustellen, dass das Wachstum von Cambridge allen zugute kommt.
Cambridge hat das Potenzial, ein führendes europäisches Innovationszentrum zu werden, muss aber die richtigen Maßnahmen ergreifen, um die ökologischen und sozialen Auswirkungen des Wachstums zu berücksichtigen. Durch eine ausgewogene und nachhaltige Entwicklung kann Cambridge seinen Ruf als „Silicon Valley Europas“ festigen und gleichzeitig eine lebenswerte und integrative Stadt für alle Bewohner schaffen.

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