Macrons Regierung und der trockene Januar: Bordeaux statt Verzicht

Macrons Regierung verzichtet auf trockenen Januar

Für die französische Regierung ist es mehr Bordeaux als der „défi de janvier“.
Immer wieder scheitert der „trockene Januar“ an der offiziellen Unterstützung der französischen Regierung. Zum vierten Mal in Folge erhielt die Kampagne keine offizielle Unterstützung durch die Regierung von Präsident Emmanuel Macron. Stattdessen hat die französische Regierung den Weinproduzenten des Landes den Vorzug gegeben.
Trockener Januar: Die britische Wohltätigkeitsorganisation Alcohol Change UK startete die Kampagne im Jahr 2013, um die Vorteile eines geringeren Alkoholkonsums aufzuzeigen. Seitdem wird die Kampagne jedes Jahr wiederholt und wurde sogar von der britischen Regierung offiziell unterstützt.
Auch in anderen Teilen der Welt hat die Kampagne an Popularität gewonnen. In den USA haben bis 2022 rund ein Drittel der Erwachsenen auf Alkohol verzichtet. Ähnliche Initiativen gibt es auch in Norwegen und der Schweiz.
Frankreich und der Alkoholkonsum: Frankreich hat zwar den Ruf einer moderaten und kultivierten Trinkkultur, aber die Statistiken zeigen, dass das Land im europäischen Vergleich einen der höchsten Pro-Kopf-Verbräuche von Alkohol hat. Dies hat sowohl menschliche als auch finanzielle Folgen. Laut der französischen Gesellschaft für öffentliche Gesundheit (SFSP) sind alkoholbedingte Krankheiten für 49.000 Todesfälle und Schäden in Höhe von 120 Milliarden Euro pro Jahr verantwortlich.
Der Kampf gegen Alkohol: Angesichts dieser Situation fordern Gesundheitsgruppen wie die SFSP die offizielle Unterstützung der Regierung für ihre Anti-Alkohol-Kampagne. Eine Gruppe von 48 Suchtexperten hat einen Brief an den Gesundheitsminister geschrieben, in dem sie den trockenen Januar als eine „soziale Mobilisierung“ zur Sensibilisierung und Unterstützung der Öffentlichkeit bezeichnen.
Die Rolle der Weinindustrie: Die französische Weinindustrie hat einen erheblichen Einfluss auf das Land, sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch in Bezug auf das nationale Image. Die Weinproduzenten haben in der Vergangenheit erfolgreich verhindert, dass die Regierung Unterstützung für den trockenen Januar gewährt. 2019 fand ein offizielles Treffen zwischen Präsident Macron und den Erzeugern statt, bei dem die Weinindustrie Gehör fand und die Regierung sich gegen die Kampagne aussprach.
Die Position der Regierung: Auch in diesem Jahr hat sich die französische Regierung gegen den trockenen Januar ausgesprochen. Landwirtschaftsminister Marc Fesneau erklärte, er ziehe Maß und Mäßigung dem Verbot vor. Diese Haltung spiegelt die Argumentation der Weinindustrie wider, dass der trockene Januar zu einer „Alles-oder-Nichts-Logik“ führe und nicht zur französischen Trinkkultur passe.
Die Debatte um den trockenen Januar in Frankreich geht also weiter. Während Gesundheitsgruppen und Suchtexperten auf die gesundheitlichen Vorteile eines reduzierten Alkoholkonsums hinweisen, beharren die Weinindustrie und die Regierung darauf, dass Maß und Mäßigung das Gebot der Stunde sind. Es bleibt abzuwarten, ob der trockene Januar in Frankreich in Zukunft offiziell unterstützt wird oder ob der Einfluss der Weinindustrie weiterhin überwiegt.

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